Althaus und seine “Krabbelgruppe”

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Die Würstchentruppe der Merkel-Jugend bläst zum Kampf

Am 30. August könnte es passieren, dass in Thüringen ein Mann Ministerpräsident wird, der 1989 – wenige Tage vor dem Mauerfall – dazu aufrief, die marxistisch-leninistische Weltanschauung der Jugendlichen in der DDR zu stärken, und als stellvertretender Schuldirektor vom FDJ-Zentralrat für “hervorragende Leistungen bei der kommunistischen Erziehung” mit dem Thälmann-Orden in Gold ausgezeichnet wurde – eine Ehre, die keinem anderen Lehrer im Bezirk Erfurt je zuteil wurde. Der Mann, der Probleme mit seiner DDR-Vergangenheit hat, ist nicht etwa Mitglied der “SED-Nachfolgepartei”, sondern der ehemaligen Blockpartei CDU, und sein Name ist Dieter Althaus.

Eine solche Nähe zum DDR-System ist für die Union, deren Pauschalverurteilung der DDR bereits hysterische Züge erreicht hat, natürlich unbequem. Nach dem altbewährten Motto „Haltet den Dieb!“ hat die thüringische CDU nun zum Frontalangriff auf Bodo Ramelow, den Spitzenkandidaten der Linken, geblasen. Ramelow ist allerdings für die „Rote Socken-Rhetorik“ der Union ein denkbar ungeeignetes Opfer. Während Dieter Althaus als Mitglied der Blockpartei CDU das DDR-System stützte, und dafür vom FDJ-Zentralrat mit hohen Orden und Ehrungen überschüttet wurde, war Bodo Ramelow Gewerkschaftssekretär in Hessen. Während Althaus in der Zeit nach der Wende alle Hände voll damit zu tun hatte, seinen eigenen Hände reinzuwaschen und sich vom DDR-System zu distanzieren, übernahm Ramelow einen Gewerkschaftsposten in Thüringen. Im thüringischen Wahlkampf herrschen umgekehrte Vorzeichen – ein Vertreter des DDR-Systems gibt den Konvertiten und versucht, den diesbezüglich unverdächtigen politischen Gegner in eben diese Ecke zu treiben, aus der er selbst kommt. Die schlimmsten Kritiker der Elche waren früher selber welche.

Da Ramelow sich nicht besonders gut für eine Rote Socken-Kampagne, die ad hominem ausgerichtet ist, eignet, kehrt die CDU den Spieß einfach um. Wenn der Gegner schon nicht im DDR-System tätig war, dann greift man ihn halt dafür an, dass er aus dem Westen kommt. Natürlich verhöhnt eine solche Kampagne den Wähler – schließlich war der langjährige thüringische CDU-Ministerpräsident Bernhard Vogel selbst ein „West-Import“. Wer so wenig gute Argumente vorzubringen hat, sucht in der Politik oft sein Heil im Frontalangriff. Doch Obacht ist geboten – Althaus ist zwar nicht wegen seiner DDR-Vergangenheit, dafür aber wegen eines von ihm verschuldeten Skiunfalls angreifbar geworden, und eignet sich daher nicht als aggressiver Hüter von Sitte und Moral.

Um dieser Zwickmühle zu entkommen, hat die thüringische CDU sich auf die Strategie „Guter Bulle, böser Bulle“ verlegt. Althaus und die CDU sind für die „positiven Botschaften“ zuständig, während die Junge Union als Vorfeldorganisation der CDU eine aggressive Schmutzkampagne gegen Ramelow anführt – dies enthüllt ein internes Schreiben der Jungen Union, das Ende letzter Woche durchgesickert ist.

In diesem Schreiben werden die subalternen Kader auf die aggressive Kampagne eingeschworen. Ziel sei es, „den politischen Gegner ins Visier zu nehmen“ und darauf hinzuweisen, „dass Bodo Ramelow, als hessischer Gewerkschaftssekretär keiner von uns ist“. Neben Plakataktionen und einem Anti-Ramelow-Weblog will die Junge Union den Kampf auch auf die Strasse tragen. Dafür ruft sie ihre Mitglieder auf, die Wahlkampfauftritte Ramelows gezielt zu „begleiten“. Im Schreiben wird auch explizit darauf hingewiesen, dass die konservativen Nachwuchskampagneros in „zivil“ auftreten sollten, gerade so als würde die „Merkel-Jugend“ ansonsten in braunen Uniformen auftreten. Mit ihren Störaktionen sollte „primär nicht die CDU […] in Verbindung gebracht werden“.

Die Guerilla-Taktik der Jungen Union erweist sich bereits jetzt als grandioser Misserfolg. Die leidlich kreativen Störaktionen auf der Wahlkampfkundgebung Ramelows in Gera wurden sowohl von der Presse, als auch von Ramelow selbst, offensiv als Schmutzkampagne der CDU ins rechte Licht gerückt. Zu einem noch größeren Fiasko wurde die „Wurstkampagne“ der Jungen Union. Auf einem Flyer verglichen die Jungkonservativen eine senftriefende Bratwurst („echte Thüringer“) mit dem verdutzt dreinblickenden Bodo Ramelow („falscher Thüringer“). Diese verwurstete Wahlkampfidee war selbst der CDU zuviel – um Schlimmeres zu verhindern, pfiff die CDU ihre Nachwuchsgarde zurück und ließ die Flyer einstampfen.

Seitdem versucht sich die CDU von ihren frechen Bürschleins zu distanzieren. Ob ihnen das glaubhaft gelingt, mag bezweifelt werden. Urheber und Unterzeichner des jungkonservativen Schlachtplans ist der thüringische JU-Vorsitzende Mario Voigt. Dieser traf, dem Terminkalender seiner Internetseite zufolge, den Spitzenkandidaten Dieter Althaus alleine am vergangenen Wochenende mindestens zweimal – schwer vorzustellen, dass sie sich dabei nur über Thüringer Bratwürste unterhalten haben.

Im thüringischen Sömmerda fruchtete die Kampagne der JU bereits – dort vergingen sich Unbekanntean 50 Wahlkampfplakaten Ramelows. Die geistigen Brandstifter für solche Übergriffe sitzen bei der CDU.

Jens Berger | Der Spiegelfechter | 04. August 2009


In diesem Zusammenhang:
TLZ | 05. August 2009 | Ramelow geht gegen juristisch gegen JU-Kampagne vor

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