“BERLIN QUEER´s STAND WITH YOU!”

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“BERLIN QUEER´s STAND WITH YOU!”
Großdemonstration in Tel Aviv nach Anschlag auf Agudah-Treffpunkt
Von Klaus Lederer

Nach Polizeiangaben waren es 20.000 Menschen, nach Angaben der Organisation 70.000, die am Sonnabend nach Shabbat-Ausgang auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv demonstriert haben, um den Opfern des Anschlages auf das Zentrum der Agudah in der Nahmanistraße in Tel Aviv zu gedenken und ihr Engagement gegen Homo- und Transphobie kundzutun.

Mit dabei auch eine kleine „Delegation“ von DIE LINKE.queer. Wir brachten mit unserem Transparent Solidarität und Unterstützung zum Ausdruck und erhielten darauf viele positive Reaktionen. Oft wurden wir angesprochen, über unsere Motive und unsere Sicht befragt, auch über die Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen und Transgendern in Deutschland. Eine Schweigeminute leitete die Kundgebung ein, daraufhin wechselten kulturelle und Redebeiträge – unter anderem des Präsidenten Shimon Peres, des Bildungsministers Gideon Sa´ar, des Kulturministers Limon Livnat, des Bürgermeisters Ron Huldai, des offen schwulen Meretz-Abgeordneten in der Knesset, Nitzan Horowitz, und von Yael Dayan, der Künstlerinnen Rita und Dana International.

Was allerdings auffiel: Die meisten TeilnehmerInnen der Demonstration waren jung, säkular und jüdisch. Nach wie vor ist das Thema Homo- und Transsexualität in großen Teilen der israelischen Gesellschaft eben noch keines. So kann es tatsächlich als ein wichtiges Zeichen bewertet werden, dass der israelische Premier das Zentrum der Agudah in der vergangenen Woche besucht hat, dass der israelische Präsident Peres auf der Demonstration das Wort genommen hat und dass zwei Minister der Regierung dort ebenfalls gesprochen haben. Vor ein oder zwei Jahrzehnten wäre das schier undenkbar gewesen. Das Wort „homosexuell“ geht der älteren Generation des Landes nicht über die Lippen – auch den säkularen Menschen nicht oder nur schwer. Dies galt auch auf der Kundgebung. Ultraorthodoxe und Shas-Wähler wird man auf solchen Demonstrationen vergeblich suchen. Den stärksten Beifall erhielt denn auch ein Aktivist, der aussprach: „Es wird Zeit, dass unsere Elterngeneration ihre Primitivität hinter sich lässt!“ Schon damit wird deutlich, dass das Bild von Toleranz und Offenheit gegenüber sexueller Vielfalt stimmt, aber nur für einen überschaubaren Teil der israelischen Gesellschaft. Es ist ein langer Weg, der noch zu gehen ist.

Die gesamte Manifestation auf dem Rabinplatz stand unter dem Zeichen der Solidarität. Chen Langer, der bei dem Anschlag verletzt worden ist, konnte erst kurz zuvor das Krankenhaus verlassen, um auf der Kundgebung zu sprechen: „Das ist eine schlechte Woche für die israelische Gesellschaft gewesen.“ Ohnehin war die Solidarität beispielhaft: Im Pride Center Tel Aviv ist ein Gedenkraum eingerichtet, wo innegehalten und den Angehörigen sowie den Freundinnen und Freunden der Mordopfer Nir Katz und Liz Trobishi kondoliert werden kann. Dort können auch Briefe an die Überlebenden des Anschlages geschrieben oder abgegeben werden, die dann täglich ins Krankenhaus getragen werden. Junge Aktivistinnen und Aktivisten haben es durch Vermittlung geschafft, dass mittlerweile alle verwundeten Opfer des Anschlages auch von ihren Eltern Besuch erhalten. Tagelang hatten sich einige, die erst durch diese furchtbare Tat vom Coming Out ihrer Söhne und Töchter erfahren haben, geweigert, dies zu tun. Dass auch die Solidarität auf dem Rabin-Platz alles andere als überflüssig, sondern dringend notwendig war, wird angesichts von Drohungen deutlich, die Aktivistinnen und Aktivisten der Bewegung per Mail und Telefon während der jü ngsten Tage erreicht haben.

Fotos unter:
http://www.klauslederer.de/willkommen/album/berlin_queers_stand_with_you/
siehe auch:
http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1194419829128&pagename=JPost%2FPage%2FVideoPlayer&videoId=1249418558220
sowie:
http://www.klauslederer.de/willkommen/album/kaempferische_trauer_in_tel_aviv/

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