Hermann Dierkes und seine “Israelkritik”

Nachdem Hermann Dierkes bereits im letzten Jahr mit seiner Forderung nach einem allgemeinen Israelboykott auf sich aufmerksam gemacht hatte [Link], hat er es jetzt mit seiner sogenannten Israelkritik in die Jerusalem Post geschafft:

14/03/2010 – German politician belittles Holocaust [Link]
By BENJAMIN WEINTHAL, JERUSALEM POST CORRESPONDENT

Grundlage dafür ist dieses Video, welches auf dem letzten Kongress “Marx is muss” der trotzkistischen LINKE-Parteiströmung Marx21 alias Linksruck [Link] aufgenommen wurde:

Die Dokumentation seiner Aussagen zeigt doch sehr deutlich, dass sich seine Sichtweise auf den Nahostkonflikt in sehr engen Bahnen hält. Um nur ein Beispiel von vielen zu nennen: Gleich zu Anfang stellt er generös in Frage, dass Israel als jüdischer Staat die Rechte seiner Minderheiten achtet. Aber natürlich ist dies der Fall. Zwar will ich nicht unerwähnt lassen, dass es auch in Israel, wie in den meisten Ländern der Welt (was das Ganze nicht besser macht aber ins richtige Licht setzt), diskriminierende Momente verschiedener Minderheiten gibt.

Trotzdem können sich arabische Israelis, Drusen und Christen auf dieselben Grundrechte beziehen wie jüdische Israelis. Ein Problem dabei, auf welches Dierkes natürlich nicht eingeht – weil es nicht in das einseitige Bild passt welches er aufzeichnet – ist die Tatsache, dass Israel kein Grundgesetz in der Form besitzt, wie wir es kennen. Es gibt eine Art Basic Laws [Link].

Im selben verlinkten Artikel zum Thema Basic Laws findet sich am Ende im übrigen der folgende interessante Absatz:

“[…] In einer 1988 ergangenen Entscheidung stellte der Oberste Gerichtshof fest, daß die in Art. 7A nebenher genannten Prinzipien Israels als demokratischem Staat und Staat des jüdischen Volkes miteinander eng verbunden sind und keinen Widerspruch in sich darstellen: “The existence of the State of Israel as the State of the Jewish people does not negate its democratic character, just as the Frenchness of France not negate its democratic character.” Mit dieser Entscheidung wurde auch der Unterschied zwischen den Bezeichnungen ‘jüdischer Staat’ und ‘Staat des jüdischen Volkes’ aufgehoben, so daß nunmehr gilt, daß der Begriff ‘jüdisch’ interpretiert werden soll als die Grundwerte des Judaismus, die ohne weiteres mit demokratischen Grundsätzen vereinbar sind. […]”

Im weiteren Verlauf des Referats von Dierkes gibt es natürlich noch eine Reihe von Vorwürfen, Falschbehauptungen und extrem einseitigen Darstellungen (der angebliche Maulkorberlass gegenüber Israel, aktiver Geschichtsrevisionismus, Israel würde systematisch selbst die Feindschaft gegenüber sich selbst organisieren etc. pp.) auf welche ich hier nicht eingehen kann – der Blog-Eintrag wäre schlichtweg zu lang. Aber alleine mit dem gesunden Menschenverstand, ohne große Vorkenntnisse zum Thema Naher Osten / Israel lässt sich leicht erkennen, dass es sich hierbei um das Bedienen von einseitigen Bildern und teilweise auch antisemitischen Stereotypen handelt.

Hermann Dierkes war übrigens auch einer der geschätzten Redner auf der Finkelstein-Ersatz-Podiumsveranstaltung der “junge Welt” am 26.02.2010 in Berlin [Link] und kündigte dort einen entsprechenden Antrag für den kommenden Bundesparteitag der LINKE im Mai an [Link].

Gestern war Dierkes diesbezüglich in der Frankfurter Rundschau:
“Läppisches” Existenzrecht” / 15.03.2010 [Link]

Update | 17.03.2010:
Mittlerweile beschäftigt sich das Simon Wiesenthal Center mit Dierkes [Link].

2 Replies to “Hermann Dierkes und seine “Israelkritik””

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