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30. Juli 2010

Norman Paech, die deutschen Marine und die Gaza-Blockade

Abgelegt unter: DIE LINKE — Tags:, , , , — benni @ 15:34

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Israel einen vor den Latz

Wenn Deutsche von Gewaltakten, Angriffen und gar militärischen Schlägen gegen Israel fantasieren, liegt es nahe, an eingefleischte Nazis zu denken. Der jüdische Staat dient seit seiner Gründung den Anbetern des “Dritten Reichs” als Inbegriff des Bösen, das von der Erde getilgt gehört. Doch nun bröckelt das vermeintliche Alleinstellungsmerkmal der extremen Rechten, denn auch auf der anderen Seite des politischen Spektrums gönnt man sich mittlerweile den Wunschtraum von Kanonen gegen den Judenstaat.

Vor fünf Jahren wurde die Neonazi-Band “Landser” endgültig vom Bundesgerichtshof als kriminelle Vereinigung eingestuft. Die rechten Krawall-Musiker waren zunächst im Dezember 2003 vom Berliner Kammergericht zu Gefängnis- und Bewährungsstrafen verurteilt worden.

Bis heute genießt die Nazi-Truppe in einschlägigen Kreisen Kultstatus; ihre Lieder werden bei konspirativen Konzerten im In- und Ausland gerne zum Besten gegeben. So feierten beispielsweise vor drei Jahren damalige NPD-Funktionäre ein Nazi-Treffen in Ungarn mit Hitlergrüßen in Budapest; beim abendlichen Konzert stieg der braune Frohsinn auf den Höhepunkt, als ein einschlägiger Klampfenbarde den alten Szene-Hit aus dem Landser-Repertoire ins tobende Publikum grölte:

Wir stellen die jüdische Drecksau,
zum letzten entscheidenden Schlag. (…)
Kamerad. Kamerad. Es lautet der Befehl.
Ran an den Feind. Ran an den Feind. Bomben auf Israel.

Solche Hassparolen müssen sicher in erster Linie als psychosoziales Phänomen und als fiebernder Wunschtraum gesehen werden, das von Hitler und Eichmann unvollendete Programm der Judenvernichtung zu Ende zu bringen. Dass Landser-Musikanten oder die vorwiegend süddeutschen Neonazis, die in Budapest mal ganz ungeniert abhitlerten, sich damit auf einen bevorstehenden Einsatz im Nahen Osten vorbereiteten, darf man wohl getrost ausschließen. Schließlich hatte ja schon die legendäre “Wehrsportgruppe Hoffmann” im palästinensischen Ausbildungslager der El-Fatah im Libanon die frustrierende Erfahrung machen müssen, dass sie im Grunde nur als billige Handlanger und Kanonenfutter dienten. Wenn heute “Bomben auf Israel” beschworen werden, träumt man vor allem vom iranischen Machthaber Ahmadinedschad und seinem vermutlichen Programm zur Erlangung von Atomwaffen.

Doch die Fantasien von Kanonendonner und Granatenhagel auf den jüdischen Staat stellen kein Alleinstellungsmerkmal der extremen Rechten dar. Im Nachspiel zum vorgeblich gewaltlosen Versuch, die israelische Blockade von Gaza zu brechen, sind die drei daran beteiligten Politiker der Partei Die LINKE seit Wochen auf Vortragstour durch die deutschen Lande. Gerne gibt man dann vor Heimpublikum die verfolgte Unschuld: deutsche Friedenskämpfer für Gerechtigkeit und Völkerfreundschaft, die von mordlüsternen jüdischen Kriegsverbrechern “deportiert” wurden.

In Hamburg – wo linke Antisemiten im letzten Jahr mit einer Blockade die Aufführung des Lanzmann-Dokumentarfilms “Shoah” verhindert hatten und dafür mehrfach bei der örtlichen LINKE-Parteigliederung Unterstützung fanden – trat nun der Senior der verhinderten Gaza-Blockadebrecher an. Eben jener Hamburger Parteiverband wollte Anfang Juni Norman Paech hören, der zu seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter der Antisemitismus-Resolution im Parlament die Zustimmung verweigert hatte. Im Gegensatz zu den beiden weiblichen LINKE-Bundestagsabgeordneten war Paech auf dem Fährschiff Mavi Marmara nicht im Frauendeck eingesperrt gewesen, und so versprach der LINKE-Vortragsabend spannende Details über eine Blockadebrecher-Fahrt gen Israel.

Spannend wurde es dann nach einer längeren Paech-Erzählung aber vor allem bei den anschließenden Nachfragen, wie man einer jüngst veröffentlichten Tonaufzeichnung der antizion isti

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schen Abendgesellschaft entnehmen kann. Denn sowohl eine Frage aus dem Publikum wie auch die Antwort Paechs darauf offenbaren eine zwar verdruckste, aber dennoch kaum kaschierte Fantasie vom Militärschlag gegen Israel.

Frage aus dem Publikum:
Wir haben ja seit über einem Jahr vor der somalischen Küste militärische Fahrzeuge, also sprich Fregatten etcetera, die gegen Pirateneinsatz eingesetzt werden, in internationalen Gewässern. Wie du gesagt hast, Norman, wird im Herbst noch ein neuer Konvoi gestartet. Ist es legitim, dass man diesen Konvoi mit der türkischen Marine oder mit anderen Ländern, meinetwegen auch Skandinavien, beschützen kann, und im Zweifelsfall knallt man diesem faschistischen Regime in Israel einen vor den Latz? [Applaus]

Wie bei der extremen Rechten der Iraner Ahmadinedschad, so soll auch hier beim LINKEN-Fragesteller irgendjemand anderes Bomben und Kanonen zum Einsatz gegen Israel bringen. Solche Drückebergerei schien jedoch nicht Paechs Sache zu sein, denn der stellte schlussendlich die alte Frontstellung “Deutsche gegen Juden” wieder her:

Paech:
[... Antworten auf frühere Fragen ...]
Und schließlich der Konvoi und Schutz der Marine: Eigentlich ja! Das ist eine Idee! Man könnte die Bundesmarine auffordern, den nächsten Konvoi zu begleiten, sicheres Begleit…
[Gelächter, Applaus]

Da ist sicher noch Entwicklungsspielraum auf der nach unten offenen Landser-Skala, aber die Richtung stimmt. Der israelische Schriftsteller Yoram Kaniuk hatte einmal formuliert: “Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen”. Für manche Deutsche muss man wohl ergänzen: Die Linke hat den Juden das Überleben des Staates Israel nicht verziehen, wo doch die unbesiegbare Sowjetunion jämmerlich untergegangen ist.

(Quelle: redok.de, 29.07.2010)

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