Wird es bald dunkel in Europa?

Abstimmung zur dauerhaften Beibehaltung der Sommer- oder Winterzeit war „erfolgreich“

Bis zum 16. August 2018 hatte die EU-Kommission eine sog. öffentliche Konsultation durchgeführt, bei der alle EU-Bürger dazu aufgerufen wurden sich zu entscheiden, ob sie für die dauerhafte Beibehaltung der Sommer- oder Winterzeit (Normalzeit) sind.

Die große Mehrheit der abgegebenen Stimmen hat sich dabei für die Beibehaltung der Sommerzeit entschieden (84% der 4,6 Millionen abgegeben Stimmen). 

Sollte die EU-Kommission ihre Ankündigung umsetzen und das Votum als bindend ansehen, warnen Forscher bereits vor den negativen Folgen: die „Europäer werden dicker, dümmer und grantiger“ und insbesondere Schülerinnen und Schüler sind von den Folgen negativ betroffen.

Bei dauerhafter Beibehaltung der Sommerzeit würde das für Deutschland bedeuten, dass wir den Sonnenaufgang am 01. Januar ab ca. 09.20 Uhr erwarten würden.

Aber höchstwahrscheinlich hat eine Vielzahl derjenigen, die ihre Stimme für die Beibehaltung der Sommerzeit abgegeben haben, nicht wirklich gewusst was das konkret bedeutet. Eine Beibehaltung der Sommerzeit hört sich gefühlt einfach besser an, als die Beibehaltung der Winterzeit. Wer zieht schon den Winter dem Sommer vor?

Das wichtigste Argument für die Einführung der Sommerzeit war übrigens die prognostizierte Gesamtenergieeinsparung, die nach Erkenntnissen der Forschung aber nur marginal ist. Nach Aussagen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) belaufen sich die Einsparungen auf etwa 8% des Energieverbrauchs, durch den Einsatz von Energiesparlampen sinkt der Verbrauch weiter.

Aber die Votierung als Beispiel für das Scheitern von Mitteln zur direkten Demokratie zu sehen wäre trotzdem falsch. Vielmehr sollten sich die EU-Kommission die berechtigte Frage stellen, ob die Art und Weise der Abstimmungsdurchführung der am besten geeignete Weg war. Beispielsweise hätte man vor eigentlichen Online-Votierung ein kurzes Erläuterungsvideo einbauen können, um den Menschen den Unterschied zwischen Sommer- und Winterzeit kurz und knapp zu erläutern. Stattdessen wurde ausschließlich auf das Format Formulartext gesetzt. Niedrigschwellige Angebote in leichter Sprache sehen anders aus, insbesondere für Menschen mit Handicap spielt dieses Thema eine wichtige Rolle.

Zudem stellt sich die berechtigte Frage, inwiefern die Abstimmung überhaupt ernst genommen werden kann, repräsentativ war die Abstimmung jedenfalls nicht. Von den insgesamt gerade einmal 4,6 Millionen abgegeben Stimmen wurden zudem ca. 3 Millionen aus Deutschland abgegeben.

Es wäre daher eine gute Idee zu überlegen, ob über die Entscheidung zur Abschaffung der Sommer- oder Winterzeit noch einmal abgestimmt wird, bspw. bei den EU-Parlamentswahlen im kommenden Jahr. Bis dahin sollte die EU-Kommission Maßnahmen einleiten, die in niedrigschwelliger Art und Weise über die Auswirkungen auf Mensch und Natur, bei dauerhafter Beibehaltung der Sommer- oder Winterzeit, informieren. Damit vor der nächsten Abstimmung, die einen derartig großen Einfluss auf das tägliche Leben der Bürgerinnen und Bürger in der Europäischen Union besitzt, alle darüber informiert sind worüber sie genau abstimmen. 

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