“junge Welt”-Blog: Frau Buchholz und Afghanistan

Wie Thomas von der Osten-Sacken auf WADIblog berichtete (26.07.2008 | “Buchholz-Software oder Iran als Garant der Sicherheit”) hat sich die Genossin Buchholz zu einem sehr interessanten Interview in der “junge Welt” mit Frau Elaheh Rostami-Povey hinreißen lassen (“junge Welt” | 26.07.2008 | “Die Besatzung lässt die Zeit für Afghanistan stillstehen”) .

Aber was heißt eigentlich hinreißen? Wahrscheinlich war es eher so, dass die Genossin Buchholz das Interview selbt eingefädelt hatte. Sind die “Fragen” und “Antworten” des Interviews doch passend wie die Faust aufs Auge für die politische Buchholz/Linksruck/Marx21-Leitlinie (bspw.: “Der Weg zum Frieden in Nahost” | Marx21.de) .

So geht es in dem Interview eigentlich darum, aufzuzeigen, dass der Krieg gegen den Iran bevorsteht – natürlich vom “Aggressor” USA und Israel angeführt. Dies wird mit Islamophobie und – jetzt kommt’s – “Iranphobie” begründet und stigmatisiert. Wie schon die “Aktion 3. Welt Saar” völlig korrekt in einem Flublatt (“Mit Islamismus gegen die Aufklärung” | pdf) erläutert, handelt es sich dabei um den Versuch Islam- und jetzt auch Irankritiker zu pathologisieren und sich damit gegen Kritik zu immunisieren.

“Schon iranische Mullahs haben Frauen, die sich der Zwangsverschleierung widersetzten, auf
derartige Weise gebrandmarkt. Antiislamismus als Rassismus zu bezeichnen bedeutet, Religionskritik und Kritik einer reaktionären politischen Bewegung in denunziatorischer
Absicht umzudeuten – ein Beispiel für das, was George Orwell “Neusprech” nannte. Der Vorwurf
der Islamophobie und des Feindbildes „Islam” ist in diesem Zusammenhang ein nützliches Konstrukt, das den Interessen islamistischer Verbände dient.”

(http://www.a3wsaar.de/fileadmin/Medien/Texte/Flugschriften/Flugschrift_Islamismus_3.pdf)

Im Anschluss wird dann in alter Manier darum herumgedeutet, dass Ahmadinejad ja doch gar nicht Israel vernichten will und es findet die übliche “junge Welt”-Hetze auf Israel statt.

“Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat das nie gesagt. Das zeigt wieder einmal wie die westlichen Medien mit ihm und anderen Staatschefs aus der sogenannten dritten Welt umgehen. Ahmadinedschad hat gesagt, daß der zionistische Staat ein unterdrückerischer Staat ist, ähnlich dem Faschismus und des sowjetischen Kommunismus, und daß diese unterdrückerischen Staaten ausgelöscht wurden. Wenn Israel weiterhin Palästinenser tötet und aushungert, wird es nicht überleben.”

An dieser Stelle möchte ich dokumentieren, was sich am 26. Oktober 2005 auf einer Konferenz mit dem Thema “Die Welt ohne Zionismus” in der Universität Teheraran abgespielt hat:

“‘Vernichtung! Vernichtung! Vernichtung!’, dröhnt es auf viertausend Kehlen. Viertausend Männer rufen dies, voller Wut und Inbrunst, gefangen in religiöser Verzückung. […]
Es sind Studenten der Teheraner Universität, aber nicht solche, die sich in den Foren der Internet-Bloger in verderbten Gedankenwelten austoben und in Cafes am Randen der Teheraner Boulevardstraßen ungeniert mit nur spärlich verhüllten Frauen flirten oder sich auf den Wochenendpartys der iranischen Hauptstaft mit Whisky, Drogend und westlicher Musik volldröhnen.

[…]

Mahmud Ahmadinejad vernimmt diese Rufe mit Wohlgefallen, und es ist gut möglich, dass er sich in diesen Momenten an jene längst vergangenen Tage im November 1979 zurückerinnert, als er sich den Idealen der ‘Studeten auf der Linie des Imams’ so nahe gefühlt hatte. Er steht mit leicht in die Luft gereckten Haupt vor ihnen, saugt ihre Botschaft in sich auf, lässt sich Zeit dafür, und dann schallt aus den Boxen der Lautsprecher seine weiche Stimme, schmeichelnd und lockend. ‘Lauter’, tönt es. ‘Lauter! Ruft es lauter.’ Die Studenten, längst zur Masse Menschen verschmolzen, antworten ihrem Messias nur das eine: ‘Vernichtung! Vernichtung! Vernichtung!’. Und wer je die Bilder gesehen hat, die so alten Bilder aus so fernen Tagen in einem fernen Land, dem kommt dies was hier an diesem Tag zu sehen ist, wie neu aufgelegt vor. Als sei’s ein Stück aus Nürnberg: Reichsparteitag.
‘Ruft lauter’, fordert Präsident Mahmud Ahmadinejad seine Anhänger noch einmal auf, hört deren ewig gleichen Ruf nach Vernichtung, um ihnen dann zu bestätigen: ‘Wie der liebe Imam Chomeini gesagt hat: Israel muss von der Landkarte getilgt werden.'”

(Quelle: Iran – Sprengstoff für Europa, Bruno Schirra, S. 135 ff., Ullstein Buchverlag, Berlin, 1. Auflage Dezember 2007)

Auch die Frage zur Rolle der Frau im Iran und deren Antwort zeugt von einer völligen Verblendung der Tatsachen. So sagt Frau Elaheh Rostami-Povey auf die Steilvorlage Frage von Frau Buchholz “Aber sind Frauen nicht besonders unterdrückt in diesen Ländern?”:

“Was ist Unterdrückung? Hat es etwas mit der Teilhabe von Frauen in der öffentlichen Sphäre zu tun? Im islamischen Iran können 94 Prozent der Bevölkerung lesen und schreiben. Das ist mehr als in Großbritannien und in den USA. 65 Prozent der Studierenden in Iran sind Frauen. Der Anteil von weiblichen Abgeordneten ist gering – vier Prozent oder 13 Frauen – aber das entspricht in etwa dem Anteil in der Türkei. Um die Türkei wird nicht so ein Aufheben gemacht. Das ist doch Heuchelei.”

Unglaublich aber wahr – der guten Frau müssen praktisch alle relevanten Tatsachen zur aktuellen Lage der Frauen und anderen Minderheiten im Iran entgangen sein. Dass bspw. die erst 16 jährige Ateqeh Rajabi am 15. August 2004 um 6 Uhr morgens hingerichtet wurde, weil sie Sex hatte, wird ebenso ausgeblendet, wie der Mord an Menschen aufgrund ihrer Homosexualität.

So ziehen sich die Aussagen durch das gesamte Interview.

Es wäre jetzt müßig, alle weiteren Aussagen und Steilvorlagen Fragen des Interviews auseinanderzunehmen – zeigt das Interview aber doch wieder einmal auf, dass es richtig ist, dieser “Zeitung” kein Interview zu geben (BAK Shalom | “Kein Interview mit der Zeitungen “junge Welt” | 18.07.2008).

3 Replies to ““junge Welt”-Blog: Frau Buchholz und Afghanistan”

  1. Wer solche Hetzpamphlete wie das Iran-Buch bewirbt, in dem Onkel Philosemit No. 1 wieder mal seine intelektuellen Tiefflüge zum Besten gibt und Ihr ihm dafür den Arsch küsst, wer Angriffe auf den Iran fordert und den neuen Hitler wieder mal in den Osten transferiert, der ist auf jeden Fall paranoid, islamophob, rassistisch und saudumm. Aber das wisst ihr ja alle selber. Ich hab nur keine Ahnung, was ihr eigentlich in der Linken zu suchen habt.

  2. Hallo Ben,
    ich weiß zwar nicht was Du mit “Philosemit No. 1” und “neuen Hitler im Osten” meinst, möchte Dir an dieser Stelle aber versichern das es in der Debatte um den Iran gerade darum geht einen Krieg zu verhindern. Das ist nur möglich mit einer aufgeklärten und konstruktiven Debatte zu den Möglichkeiten dem Mullah-Regime effektiv entgegen zu wirken in ihrem Ziel nach einer Bombe und darüber hinaus Menschenrechte auch im Iran durchzusetzen. Sicherlich ein schwieriges unterfangen, aber durch deine Art der Auseinandersetzung sicherlich nicht zielführend. Aber vielleicht ist das ja dein Interesse. Zu deiner letzten Frage: Tja, was haben wir da zu suchen… vielleicht emanzipatorische,linke Politik betreiben? Davon kann die LINKE noch ne Schubkarre gebrauchen denke ich!

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