Chavez und die iranische Diktatur

Wie die Jüdische Allgemeine in ihrer Ausgabe vom 21. August berichtete, kam es Mitte August zu einem Treffen zwischen Hugo Chavez und Vertretern der Jüdischen Gemeinde in Venezuela.

Nun ist das Verhältnis der Jüdischen Gemeinde in Lateinamerika und dem Präsidenten von Venezuela kein einfaches, vor allem nach seinem Besuch beim iranischen Präsidenten Ahmadinedjad und der Abberufung des venezolanischen Botschafters aus Israel während des Libanon-Krieges 2006 (die “junge Welt” sprach in diesem Zusammenhang, in alter anti-israelischer Propaganda, von “Völkermord” [Link]).

So ist das Treffen mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde um so erstaunlicher – insbesondere die Aussage Chavez’, dass er die Existenz Israels uneingeschränkt teilt, unterscheidet ihn doch klar von den Zielen und Vorhaben der Mullahs in Teheran. Nur widerspricht dies der Politik Venezuelas, beispielsweise damit zu drohen, dass der Ölpreis auf 200 Dollar steigt, wenn die USA den Iran oder eben Venezuela angreifen [Link], sich mit der Terrororganisation Hisbollah zu solidarisieren [Link], enge Wirtschaftsbeziehungen mit dem Iran aufzubauen [Link] oder im konkreten Fall zu verhindern, dass sich der UN-Sicherheitsrat mit dem iranischen Atomprogramm beschäftigt [Link].

Es bleibt daher abzuwarten, wie genau Chavez es mit seiner Solidarität nimmt. So sind gerade die wirtschaftlichen Beziehungen Venezuelas mit dem Iran ein wichtiger Eckpfeiler im iranischen Atomprogramm. Schließlich besitzt Venezuela – als ein erfolgreicher Erdöl-Exporteur und Kraftstoff-Produzent – das nötige Wissen und Know-how, um den maroden Energiesektor des Irans zu modernisieren. Denn solange immer noch 40 % des iranischen Energiebedarfs durch das Ausland gedeckt werden müssen, bedeutet dies eine empfindliche Stelle im iranischen Streben nach der Atombombe. Als im Sommer 2007 der Sprit im Iran knapp wurde, zeigte sich, in welcher Instabilität sich das Land und damit die Macht der Mullahs befindet [Link].

Genau hier besteht aber ein möglicher Ansatzpunkt für einen nicht-millitärischen Sturz des Regimes, weshalb eine Kritik an der Zusammenarbeit auch deutscher Wirtschaftsunternehmen mit dem Iran in bestimmten Bereichen [Link] richtig und von einer emanzipatorischen Linke zu unterstützen ist, anstatt sich mit dem Regime zu solidarisieren [Link].

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One Response to “Chavez und die iranische Diktatur”

  1. Mao21 Says:

    Och, du musst noch viel lernen. Außenpolitik ist eben nicht wie Sandkasten, wo einer böse ist, einer gut und der Gute nicht mit dem Bösen spielen darf, weil er sonst auch böse wird. Bring doch mal was Substantielles über regionale Integrationsbestrebungen, denk mal über die Abhängigkeit einer ehemaligen Kolonie mit langer Diktatur- und Korruptionstradition nach. Ein Land dieser Art ist eben nicht Deutschland oder ein anderes entwickeltes Industrie- und Dienstleistungsland, sondern ein Land wie Venezuela mit einer recht einseitigen Wirtschaft (zur Nachhilfe: Kolonien mussten der Kolonialmacht Rohstoffe liefern und waren damit vollständig abhängig, da sie selbst keine Produktion entwickeln konnten.) Ein Land wie Venezuela, das sich gerade vom Tropf der USA emanzipiert hat, benötigt eben andere Verbindungen um zu überleben. Vergleiche auch Kuba nach der Revolution, das sich zwangsweise in die Hände der Sowjetunion gab, da die Zuckerkäufe zu überhöhten Preisen durch die USA ausblieben. Venezuela braucht nunmal Partner, die Moral bleibt da leider auf der Strecke, zumal man sich ausmalen kann, dass die Empfindlichkeit gegenüber dem mittlerweile eliminatorischen Antisemitismus des iranischen Präsidenten in Südamerika deutlich niedriger entwickelt ist als in Europa. Dass Chávez mit der jüdischen Gemeinde in Venezuela klarkommt ist daher nur für diejenigen überraschend, deren Weltbild ziemlich schlicht und eindimensional ist.

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