Tobias Pflüger – der Mann der Stunde (?)

Im Rückblick auf den EU-Parteitag habe ich mir nochmal die Frage gestellt, warum Tobias Pflüger auf Listenplatz 10, gegen den eigentlichen Listenvorschlag, gewählt wurde [Link].

Im Mai 2008 gab Genosse Pflüger bekannt, dass er beabsichtigt, für den Bundestag

zu kandidieren: “„Meine Arbeit ist im Bundestag effektiver“, begründet der Außen- und Militärpolitiker Tobias Pflüger seine Neuorientierung” [Link]. Im gleichen Monat ist er Parteimitglied geworden.

Am 15. Dezember wurde der gemeinsame Listenvorschlag von Parteivorstand und Bundesaussschuss bekanntgegeben, in welchem Tobias Pflüger logischerweise (er wollte ja für den Bundestag kandidieren) nicht beachtet wurde [Link].

Nachdem die Aufstellung für den Bundestag für Pflüger immer schwieriger wurde erklärte er am 23.12.2008, dass er nun doch wieder für das EU-Parlament kandidieren würde [Link].

Kurz darauf begann die Mobilisierung zur Unterstützung seiner Kandidatur durch den Bundesvorstand des Jugendverbandes der Partei [Link]. Es wurden viele, viele Mails über viele, viele Mailinglisten verschickt, die “Zeitung”  “junge Welt” startete eine Kampagne [Link] und mobilisierte ordentlich für die fix geschaltete Internetseite “Eine Antikriegsstimme für Europa” [Link].

Am 07.01.2009 gab Pflüger seine offizielle Bewerbung für einen “aussichtsreichen Listenplatz” auf der Bundesliste der LINKE für die Europawahlen bekannt [Link].

Innerhalb der Partei folgte nun eine heftige Debatte darum, wie es dazu kommen konnte, dass der Genosse Pflüger beim Listenvorschlag nicht beachtet werden konnte.

Es hätte also eine Nominierung Pflügers geben sollen, obwohl er zum damaligen Zeitpunkt noch gar nicht offiziell für das EU-Parlament kandidieren wollte, sondern ganz im Gegenteil, für den Bundestag.

Auf dem EU-Parteitag am vorletzten Wochenende [Link] ging für Pflüger alles ganz einfach. Nachdem er die Vorschläge übereifriger Genossen, auf einen der ganz vorderen Listenplätze zu kandidieren, stetig ablehnte, kandidierte er schließlich auf Platz 10. Der Saal tobte (bis auf einige Landesverbände), nun würde es Pflüger “denen da oben”  endlich mal zeigen. Einfach einen Listenvorschlag zu machen, ohne ihn zu berücksichtigen war ja auch wirklich unglaublich.

Der Rest war eigentlich nicht mehr wirklich schwierig. Nur noch mal fix klar artikuliert, dass auch er den Lissabonvertrag ablehnt, betonen, dass die LINKE eine Antikriegspartei ist (seit der Internetseite “Eine Antikriegsstimme für Europa” wissen wir ja auch, wer dafür die Verantwortung trägt), eine Fürrede von Sahra Wagenknecht organisieren und fertig ist die Nominierung. Dass Sahra damit als Mitglied im Parteivorstand offensiv gegen den eigenen Listenvorschlag mobilisierte, war in diesem Fall natürlich kein Thema.

Dass eine der anschließenden Fragen an Tobias Pflüger die EU-Rentenaffäre betraf, in welcher auch er bis zum Hals mit drin steckt [Link],wird in diesem Youtube-Video leider ausgeblendet.

Fassen wir also nochmal zusammen:

1. Pflüger kandidiert für den Bundestag.

2. Pflüger kandidiert doch nicht mehr für den Bundestag.

3. Pflüger kandidiert für das EU-Parlament.

4. Es wird eine Kampagne gestartet, welche ihn in seiner Kandidatur gegen den bestehenden Listenvorschlag unterstützt.

5. Es existiert ein Luxemburger Pensionsfond, welcher zu zwei Dritteln aus Steuern finanziert wird und einzig dem Zweck dient, den Mitgliedern eine zusätzliche Rente i. H. von bis zu 5575 € zu sichern. Mitglieder sind u. a. Sahra Wagenknecht und Tobias Pflüger.

6. Tobias Pflüger wird auf Listenplatz 10 der Liste zu den Europawahlen für die LINKE gewählt.

Fazit: Es gibt nur einen Mann der Stunde – Tobias Pflüger.


18 Replies to “Tobias Pflüger – der Mann der Stunde (?)”

  1. Alte Heulsuse.

    In einem irrt sich Pflüger: Er hätte betonen sollen, dass die LINKE ohne den BAK-Shalom eine Antikriegspartei wäre.

  2. Der Tobi ist nicht nur der Mann der Stunde, für mich ist seine Nominierung unser Beitrag für die nächste Oscar-Gala. Schließlich wurde er nicht nur zwei Mal vorgeschlagen – es war viel besser: Tobi ist zu den jeweiligen Delegierten hingegangen, hat kurz mit ihnen gesprochen und dann sind sie ans Mikro gegangen und haben ihn vorgeschlagen. Danach konnte er voller Demut erklären, dass er doch noch nicht antreten wolle, weil er weder dem Pfarrer noch dem Ossi den Platz streitig machen will. Wir sollten dankbar sein, für die Fleischgewordene Selbstlosigkeit.
    Für mich ist er nicht der Antimilitarist sondern der Antisozialist. Zu einem wirklichen, freiheitlichen Sozialismus zählen für mich Demokratie und Transparenz als Grundvoraussetzungen. Pflüger aber hat mehrfach bewusst getäuscht und die Essener Delegierten für dumm verkauft. Also: Mann der Stunde auf jeden Fall, unser Beitrag für den Oscar und eine Antisozialismusstimme für Europa.

  3. Eine Frage hätte ich: Gegen welchen “eigenen Listenvorschlag” hat Sahra Wagenknecht denn da mobilisiert gehabt? An welchem Listenvorschlag hatte sie mitgewirkt?

  4. Leider stimmt die dargestellte Chronologie der Ereignisse überhaupt nicht:

    Der Landesparteitag der LINKEN in Baden-Württemberg hat am 6. Dezember 2008 folgendes beschlossen “Aus Baden-Württemberg bewerben sich Tobias Pflüger und Wilfried Telkämper für die Liste zum Europäischen Parlament. […] Der Landesparteitag der LINKEN in Baden-Württemberg empfiehlt der BundesvertreterInnenversammlung, beide Bewerber als kompetente linke Europapolitiker zu nominieren.”
    Der volle Wortlaut:
    http://antikriegsstimme.eu/?seite=4

    Tobias Pflüger hat nach eigener Aussage seine Bewerbung am 13.12. eingereicht: “Nachdem eine Aufforderung kam, auch eine schriftliche Bewerbung einzureichen, habe ich dann am 13.12. meine Kandidatur mit dem angehängten Schreiben auch formal beim Präsidium des Bundesausschusses der Partei DIE LINKE eingereicht.
    siehe:
    http://tobiaspflueger.twoday.net/stories/5404496/

    Außerdem lässt du leider die Tatsache unerwähnt, dass der eigentlich Listenvorschlag nicht am 16.12. (von Bundesausschuss-Präsidium und Geschäftsführendem Parteivorstand), sondern am 10.1. vom Bundesausschuss erstellt wurde. Dort hatte Tobias Pflüger (wenn auch erfolglos kandidiert):
    Schwäbisches Tagblatt vom 12.01.09
    “Der Tübinger Abgeordnete der Linken Tobias Pflüger muss weiter um seinen Wiedereinzug ins Europa-Parlament bangen. Der 43-Jährige hatte gehofft, der Bundesausschuss seiner Partei werde ihn bei seiner Sitzung am vergangenen Samstag in Berlin abweichend vom Vorschlag des Bundesvorstands auf die Europa-Wahlliste setzen. Es kam aber nicht so, obwohl sich Vertreter der Friedensbewegung in und außerhalb der Partei für den Tübinger Politologen stark gemacht und als „Antikriegsstimme“ bei einer Online-Aktion 1278 Unterschriften für ihn gesammelt hatten. Da es hieß, die Liste solle nach Geschlecht, Ost-West-Herkunft und Strömungen ausgewogen sein, kandidierte Pflüger zunächst als einer von drei Bewerbern für Platz vier. Er unterlag aber mit 39 Prozent gegen Thomas Händel (51 Prozent). Auf Platz zehn, für den sich der Tübinger ebenfalls bewarb, machte Winfried Telkämper das Rennen. Auch sonst folgte der Bundesausschuss bis Platz elf dem vorliegenden Vorstands-Vorschlag.”
    Quelle:
    http://www.tagblatt.de/2840156

  5. @ Bruno

    Als anständiger Deutscher versteht es sich für Herrn Krüger doch von selbst, seiner Lieblingsbeschäftigung des Denunzierens nachzugehen.

  6. @frederico: ich habe meine argumente mit eindeutigen quellen unterlegt. dem beschluss von BaWü widersprechen diese nicht. selbst wenn pflüger seine kandidatur schon am 13.12. bekannt gegeben hat, kann man wohl kaum erwarten, dass auf einmal alle aufspringen und der listenvorschlag neu gestaltet wird. die aushandlungen dazu laufen ja nicht mal eben so ab. das kannst du sicherlich nachvollziehen. der listenvorschlag wurde im bundesauschuss vorgestellt, richtig. auch das widerspricht nicht meinen ausführungen.
    das “tagblatt” scheint ja ein tolles format zu sein, korrekte infos liefern die jedenfalls nicht. oder willst du ernsthaft behaupten das pflüger sich nicht gegen telkämper auf 10 durchgesetzt hat?

  7. “Der Landesparteitag der LINKEN in Baden-Württemberg empfiehlt der BundesvertreterInnenversammlung, beide Bewerber als kompetente linke Europapolitiker zu nominieren.”

    Geht’s eigentlich noch? Wieso diktiert der machtvolle Verband Baden-Württemberg nicht gleich die ganze Liste? Immerhin kommt aus BW sicherlich ein Großteil der Mitgliedsbeiträge und auch den Sprung ins Landesparlament haben sie souverän aus eigener Kraft gemeistert.

    Es war schon Farce, überhaupt zwei Kandidaten aus diesem Schrottverband zu nominieren. Ein Skandal wird erst daraus, weil sich die Delegierten haben dermaßen verarschen lassen und diese schmierige Rechnung auch noch aufging.

  8. was solls? die sache ist durch. und alle argumente darüber, was VOR dem essener parteitag stattfand, hätten dort gesagt werden sollen. egal, ob man mit dem ergebnis unglücklich ist: wieder runter von der liste wird er nicht gemeckert werden können.

  9. @Benny: Schlimm finde ich, wenn man wie du nicht einmal in der Lage ist, eigene Fehler zuzugeben. Dein Artikel baut auf einer falschen Chronologie auf, damit bricht deine ganze Argumentation in sich zusammen. Dein Argument, der Geschäftsführende Parteivorstand und das Präsidium des Bundesausschusses habe gar nichts von Pflügers Kandidatur wissen können, entpuppt sich als pure Falschbehauptung.

    Bezüglich “tagblatt.de”: wer lesen kann, ist klar im Vorteil: Das Tagblatt befasst sich mit der erfolglosen Kandidatur von Tobias Pflüger auf der Sitzung des Bundesausschusses am 10.1.

    Die Chronologie nochmal kurzgefasst:
    6.12. Landesparteitag BaWü mit Empfehlung für Pflüger und Telkämper
    13.12. Einreichung von Pflügers Bewerbung beim Präsidium des Bundesausschusses
    16.12. Listenvorschlag von Geschäftsführendem Parteivorstand und Präsidium des Bundesausschusses
    10.1. Listenvorschlag des Bundesausschusses (in der Sitzung des Bundesausschusses konnten KandidatInnen auf Plätzen kandidieren, Pflüger kandidierte dort erfolglos)

    Unterschiedliche Meinungen kann man ja haben, aber wenn eine Argumentation bewusst mit Falschdarstellungen arbeitet, lasse ich Unwissenheit oder Dummheit nicht als Entschuldigung gelten.

  10. 3 tage nach seiner einreíchung sollen alle im dreieck springen und pflüger nominieren, zu lasten eines vorher lang ausgehandelten kompromisses? und das BaWü zwei leute für den selben listenplatz vorschlägt sagt doch alles.
    meine argumentation widerspricht sich auch weiterhin auch wenn du deinen unsinn immer wieder behauptest.

  11. Zitat der Helle Benjamin: “meine argumentation widerspricht sich auch weiterhin auch wenn du deinen unsinn immer wieder behauptest.”
    Na, ich glaube, da wird Dir auch niemand widersprechen…Solange Du das selbst tust..

  12. Endlich schreibst du einen wahren Satz und gibst es zu “meine argumentation widerspricht sich auch weiterhin”. Da liegst du ausnahmsweise völlig richtig: deine Argumentation widerspricht sich auch weiterhin.

    Du gibst dich ja echt dümmer, als erlaubt:
    Nirgendwo schreibe ich was von “im Dreieck springen”. Kein Wort schreibst du, dass du mit deiner falschen chronologischen Darstellung den Lauf der Dinge verdrehst.

    Ich habe übrigens nirgendwo behauptet, dass BaWü Telkämper und Pflüger für den gleichen Listenplatz vorgeschlagen hätten. Wo willst du das gelesen haben?

    Du bist einfach feige. Wo du keine Argumente hast, entziehst du dich einfach der kritischen Auseinandersetzung. Groß ohne Belege falsche Tatsachen behaupten und dann wenn es um die Überprüfung der Tatsachen geht einfach neuen Blödsinn behaupten.

  13. Benjamin: “meine argumentation widerspricht sich auch weiterhin” Selbsterkenntnis ist der erste Shcritt zur Besserung…

  14. Jau genau, feiern mit den Unterdrückern! Klasse! So “Tanz auf den Gräbern”-mäßig. Voll morbide und so. Hauptsache anständig. Das war’n wir ja schon immer.

    P.S.: Du hast dich wem Verschrieben? Einer Sache? Dem Krieg? Oder als Medikament? Dann wahrscheinlich Dignitas…

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