Gaza ohne Regierung?

(via)

“Wenn das ICRC, eine extrem wichtige Organisation, deren Aufgabe unter anderem darin besteht, die Einhaltung des Kriegsrechtes in bewaffneten Konflikten zu überwachen, Nothilfe zu leisten, Kriegsgefangene zu betreuen etc., einen Bericht über die humanitäre Lage im Gazastreifen vorlegt, ist dieser weit ernster zu nehmen, als viele andere von Organisationen, die leider schon all zu oft der Einseitigkeit überführt wurden. Denn das ICRC hält sich an das Gebot, neutral in Konflikten zu sein und sich niemals auf eine der jeweiligen Seiten zu schlagen. Deshalb auch kann es auch weltweit in Gegenden noch aktiv sein, in denen längst alle anderen Hilfsorganisationen das Land verlassen mussten.

Um so mehr stellt dem Leser sich bei Lektüre dieses Berichtes über die desolate und erschreckende Lage in Gaza eine Frage: Gibt es dort keine Regierung?

Das ICRC stellt nämlich nur Forderungen an Israel und übt kein einziges Wort der Kritik an der Regierung des Gazastreifens. Selbst wenn nun alles stimmt, was das ICRC anführt, und es obliegt mir nicht, dies in Zweifel zu ziehen, so muss man sich diese Frage doch stellen. Und selbst wenn solche Vorkommnisse Einzelfälle geblieben sein mögen, verdienten sie doch zumindest der Erwähnung.

Schaut man sich die Menge zugesagter und bereits gelieferter Hilfsgüter und Gelder an, die seit Beginn des Jahres für Gaza zur Verfügung gestellt wurden, so wundert es einen doch ein wenig, dass all dies bislang nichts gebracht hat.

Nun wurde allerdings die internationale Hilfe seitens vieler Geldgeber, etwa der USA; an gewisse Bedingungen geknüpft und Israel, man mag wiederum davon halten, was man will, erklärte, so lange nur Nothilfe passieren zu lassen, wie der Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen weitergehen würden (Nach Informationen des Sderot Media Centers fielen haben”in the post-Operation Cast Lead period from January 18 2009 until June 2009, more than 215 rockets attacks on Israel” stattgefunden.) und der gefangene Soldat Gilad Shalitnicht freigelassen werde. Außerdem erklärte man, Baustoffe wie Stahl und Beton könnten und würden von der Hamas für sachfremde Zwecke missbraucht.

Kurzum, die Idee den Wiederaufbau des Gazastreifen mit über 4 Milliarden Dollar so zu gestalten, dass dieses Geld an der Hamas vorbeifliesse, scheint gescheitert. Deshalb plötzlich in einem Bericht von einer so seriösen Organisation wie dem ICRC über all diese Hintergründe kein Wort mehr zu lesen, erscheint höchst befremdlich. Gibt es in Gaza keine Regierung, die (auch) zur Verantwortung zu ziehen ist? Wenn nicht, dann sollte sich die sog. internationale Staatengemeinschaft auch anders verhalten.

So entsteht leider nur der Eindruck, dass, wenn es um die Palästinenser, vor allem aber den Gazastreifen geht, noch der glaubwürdigsten Organisation jene Neutralität abhanden kommt, die doch gerade ihre Stärke ist.

Andere, wie etwa Amnesty, haben nicht die Selbstvepflichtung zur Neutralität und deshalb können sie eben auch recht einseitige Berichte verfassen, ohne dass es einen noch groß aufregt. Die Hamas taucht in dem Fließtext genau zwei mal auf.

Während der Text mit keinem Wort erwähnt, warum Israel diese Militäroperation begonnen hat, wird die Hamas gleich mit ihrer Rechtfertigung eingeführt- auch wenn unerwähnt bleibt, mit welchen Argumenten sie diese Angriffe den rechtfertigt:

Die Hamas rechtfertigt ihrerseits weiterhin die während des 22 Tage dauernden Konflikts von ihren Kämpfern sowie anderen bewaffneten palästinensischen Gruppierungen täglich abgefeuerten wahllosen Raketenangriffe gegen Städte und Dörfer im südlichen Israel.”

Und dann folgt der Aufruf zum Waffenembargo gegen Israel, denn selbst wenn Amnesty es ernst meint, auch die Hamas mit in die Sanktionen ein zu beziehen, wissen sie doch genau, dass die Palästinenser ihre Waffen eh ins Land schmuggeln:

Neben weiteren Empfehlungen fordert Amnesty International die internationale Staatengemeinschaft auf, sämtliche Lieferungen von Waffen, militärischen Gegenständen und Munition an Israel, die Hamas sowie andere bewaffnete palästinensische Gruppierungen einzustellen, solange die reale Gefahr besteht, dass solche Güter dazu benutzt werden, schwere Verstösse gegen das Völkerrecht zu verüben.”

http://www.wadinet.de/blog/?p=1921

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