Thierse lehnt Kandidatenpodium ab. Ist ihm Wahlkampf ohne Bürger lieber?!

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Üblicherweise lassen Politiker keine Gelegenheit aus, im Wahlkampf ihre Dauerpräsenz noch einmal zu steigern. Für Wolfgang Thierse gilt das nur begrenzt: Der SPD-Mann hat die Einladung zu einem Kandidatenpodium in seinem Wahlkreis ausgeschlagen. Legt der Bundestagsvizepräsident, fragt man sich nun in Berlin, „keinen Wert auf ein Gespräch mit seinen Konkurrenten und Wählern?“ Zumindest was die Diskussion mit den Kandidaten der anderen Parteien angeht, lässt Thierse keinen Zweifel. Die Erfahrung vergangener Wahlkämpfe habe ihn gelehrt, dass „der Informationsgehalt dieser Veranstaltungen relativ gering“ ist, sich auftretende Politiker „schon aus zeitlichen Gründen auf den Austausch allgemein bekannter Statements beschränken“ und eine „wirkliche Diskussion“ zwischen Bürgern und Kandidaten nie zustande kommt. Recht hat er, der Wolfgang Thierse. Kandidatenrunden haben den Charme und den Informationsgehalt von Anne-Will-Sendungen. Schlechtes Theater mit vorher festgelegtem Ausgang.

Wer die Grundrechenarten beherrscht, weiß vorher, was Stefan Liebich (Linkspartei) zu einem wie Martin Lindner (FDP) sagen wird, der gerade mit einem Sozialkürzungsvorschlag seinem neoliberalen Affen Zucker gegeben hat. Das Versprechen, hier kämen sich „der Bürger“ und „sein Politiker“ näher, ist leer. Noch nie ist jemand aufgrund einer derartigen Veranstaltung dazu gebracht worden, seine vorher schon feststehende Parteienpräferenz zu ändern. Oder von irgendeiner Einsicht überrascht worden. Und Nichtwähler bleiben solchen bildungsbürgerlichen Selbstvergewisserungsforen ohnehin fern. Nun spricht es einmal jemand aus und nimmt dabei in Kauf, womöglich am Tag danach im Lokalteil der Berliner Morgenpost abgewatscht zu werden.


Update: 09.07.2009 | stefan-liebich.de | “So nicht, Herr Thierse!”

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